Erziehung zur Ausländerfeindlichkeit 

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(C) Christian R. Ey
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Sun Jan 20 20:39:54 GMT+01:00 2002
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Spätestens in der Schule fängt es an: Lehrer erzwingen mit ihrer ganzen Einstellung dir gegenüber ein Bild. Und paßt du nicht in diese Form oder entsprichst nicht ihren Erwartungen, wird dir signalisiert, daß du nicht annehmbar bist. Du wirst ausgestoßen, gezwungen, dich formen zu lassen. Diese Haltung überträgt sich auf die Mitschüler, die dann die gleichen Normen haben und anwenden.

Deine Mitschüler können dich nie sehen, wie du von deinem Wesen her bist, weil du dich vom Erzieher aus anpassen mußt, und es auch tust. Sie können gar nicht sehen, wie lieb, intelligent, schöpferisch und lebensfroh du eigentlich bist. Für sie bist du immer Figur x 1.

Sabinchen wird gezwungen, x 1 zu sein. Sabinchen darf nicht Sabinchen sein. Ihr Herz schreit nach Anerkennung, nach Anerkennung Sabinchens. Aber Sabinchen wird nie Anerkennung finden, weil sie sich formen läßt, also x 1 wird, denn auch ihre Eltern wollen sie immer nur so haben. Man haßt das "Falsche" an ihr, das nicht Gewollte, das den Augen Fremde, die be-fremde-nden Teile, das Ausland der Erzieheraugen...

Es kommt ein neuer in die Klasse. Er, Stephano, trägt andere Kleidung, ist noch selbstbewußt und sagt frei heraus, was er denkt. Er paßt nicht in die Norm. Er hat eine andere Kultur, er glaubt und denkt anders, fremd. Langsam beginnt er zu fühlen, wie aus Stephano a 1 gemacht wird. Er spürt, wie andere ihn sehen, ihn sich formen. Er fügt sich dieser Norm, nur noch leise schreit seine Seele: aber ich bin doch...!!!

a 1 läßt Stephano nicht mehr zu seinem Gehirn vordringen. Er weiß nicht mehr, daß er anders war. Aber in seinem Inneren frißt sich Stephano durch, a 1 wird alkoholabhängig, er sucht etwas ... genau das, was andere nicht haben wollen. Er schafft es nicht, findet nicht, er stirbt, und niemand von hier hatte ihn erkannt.

Auf dem Grabstein würde stehen: Der, den wir alle so lieb hatten, ist schon früh von uns gegangen, unser lieber Freund Stephano. Stephano würde sich im Grab umdrehen, weil das eine unverschämte Lüge ist: Keiner hier hatte ihn jemals sehen wollen, kennen können ... am Schluß hatte er selbst nur noch eine dumpfe Ahnung von "Stephano".

 

Autorin:

 

Solveig Schulz

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