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Spätestens in der Schule fängt es an: Lehrer
erzwingen mit ihrer ganzen Einstellung dir gegenüber
ein Bild. Und paßt du nicht in diese Form oder
entsprichst nicht ihren Erwartungen, wird dir signalisiert,
daß du nicht annehmbar bist. Du wirst
ausgestoßen, gezwungen, dich formen zu lassen. Diese
Haltung überträgt sich auf die Mitschüler,
die dann die gleichen Normen haben und anwenden.
Deine Mitschüler können dich nie sehen, wie du
von deinem Wesen her bist, weil du dich vom Erzieher aus
anpassen mußt, und es auch tust. Sie können gar
nicht sehen, wie lieb, intelligent, schöpferisch und
lebensfroh du eigentlich bist. Für sie bist du immer
Figur x 1.
Sabinchen wird gezwungen, x 1 zu sein. Sabinchen darf
nicht Sabinchen sein. Ihr Herz schreit nach Anerkennung,
nach Anerkennung Sabinchens. Aber Sabinchen wird nie
Anerkennung finden, weil sie sich formen läßt,
also x 1 wird, denn auch ihre Eltern wollen sie immer nur so
haben. Man haßt das "Falsche" an ihr, das nicht
Gewollte, das den Augen Fremde, die be-fremde-nden Teile,
das Ausland der Erzieheraugen...
Es kommt ein neuer in die Klasse. Er, Stephano,
trägt andere Kleidung, ist noch selbstbewußt und
sagt frei heraus, was er denkt. Er paßt nicht in die
Norm. Er hat eine andere Kultur, er glaubt und denkt anders,
fremd. Langsam beginnt er zu fühlen, wie aus Stephano a
1 gemacht wird. Er spürt, wie andere ihn sehen, ihn
sich formen. Er fügt sich dieser Norm, nur noch leise
schreit seine Seele: aber ich bin doch...!!!
a 1 läßt Stephano nicht mehr zu seinem Gehirn
vordringen. Er weiß nicht mehr, daß er anders
war. Aber in seinem Inneren frißt sich Stephano durch,
a 1 wird alkoholabhängig, er sucht etwas ... genau das,
was andere nicht haben wollen. Er schafft es nicht, findet
nicht, er stirbt, und niemand von hier hatte ihn erkannt.
Auf dem Grabstein würde stehen: Der, den wir alle so
lieb hatten, ist schon früh von uns gegangen, unser
lieber Freund Stephano. Stephano würde sich im Grab
umdrehen, weil das eine unverschämte Lüge ist:
Keiner hier hatte ihn jemals sehen wollen, kennen
können ... am Schluß hatte er selbst nur
noch eine dumpfe Ahnung von "Stephano".
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