Lyrik, der Wikinger

 

Von einem, der auszog, die Pole zu kappen.

 

I.

Dies ist die eiskalte Sage
Von Lyrik, dem Wikinger,
Sohn des großen Lim-Erick.
Hört und begreift:
Alles ist wahr, denn ich selbst
Lege Zeugnis ab für ihn
Und seine Taten.

Gepriesen seist Du,
Lyrik, Du Wackerer,
Retter und Heiland für Viele!
Hört!, o hört, ihr Freunde,
Lauscht und berauscht Euch
An meinen Worten:

Es knüppelten zig Polizisten
Passanten, die friedlich sich küssten.
Doch Lyrik, ganz nah,
Sowie er das sah,
Rasch kappte er Pol von izisten!

 

II.

Zurück von der siegreichen Schlacht
Empfängt ihn das jubelnde Volk.
Fleißige Frauen flechten
Dem Helden zu Ehren
Aus Polen die Kappe
Und kränzen damit sein Haupt.

Heil Lyrik, dem Wikinger!
Schallt es zu Hauff
(Einem geschätzten Kollegen
Von mir)
Der stutzt kurz -
Dann nickt er und grüßt.

Aber aufs Neue droht Ungemach,
Das Volk verzweifelt schier
(Ich spreche hier nicht
Von alpinen Brettern!)
Der Held, zwar gestählt
Und Gestärkt, muss erkennen,
Dass wieder er
Auf sich alleine gestellt.

So fasst er nur fester
Was immer er kann,
Hoffnung und Mut
Und auch einen Entschluss,
Dann rast er mit Kampfesode
Davon.
Hört nun die Episode:

Politiker gibt es zu viele,
Korrupt-arrogante Senile.
Nur ab mit dem Pol!
Ein itiker, hohl,
Glotzt blöd und schlotzt Fruchteis am Stiele.

 

III.

Der Held erhält Ruhm nun und Ehre,
Und Liebespost wie Sand am Ufer,
Und weitere Kappen
Aus weiteren Polen
(Die reichen schon bald
zu 'ner Staatsgründung,
aber noch sind
nicht alle verloren!)
Und...und...

Ein Glückwunschtelegramm!
"Befinde mich grade auf Fernfahrt.
Nur weiter so! Gruß, Robert G."
Da kämpft der
Sonst wackere Wikinger
Mit Zährung vor lauter Rühren -
Verzeihung! -
Mit Zähren vor lauter Rührung.

Doch das Volk
Vergisst schnell alte Taten.
Es dürstet nach hilflosen Opfern.
Finstere Pläne
(Achilles-Verse!)
Schmiedet der Mob.

Weh! Des Volkssturm und Drang
ist nicht mehr zu halten,
Schon plärren sie:

"Da arbeitet die Politesse,
Gemein und mit Akkuratesse!
Auf Wiederseh'n, Pol,
Itesse, leb wohl!
Komm, Lyrik, polier ihr die Fr...!"

(Politur wurde leider erschlagen:
Sie hatte zu dick aufgetragen.)

 

IV.

Die Wogen sind geglättet,
Der Durst vorerst gesättet.
Nur Lyrik, Held dieser Sage
Vermisst eine Totenklage
Und schreitet selbst
Zur Mori-Tat:
(Im Inhalt zwar künstlerisch frei-
Aber das nur so nebenbei)

"Es war mal ein weißer Polarbär,
Der kam an die Front in Pearl Harbor.
Noch brummte er froh,
Schon hat er am Po
Schwarzpelzige Punkte: Pölarbär."

Leider, leider, leider...
Erfolg ruft viele Neider.
So stürzte in den Applaus
Hinein ein Wicht und kräht:
"Seht nur! Wie Lyrik da steht,
Er ist ein verkappter Prolet!"
(Das mit der Kappe war wahr,
Aber ein Prolet gilt
Im eig'nen Land nichts.
Im fremden erst recht nicht)
Es packten die Schergen
Den zappelnden Wicht
Und hielten ein Schergen-
Scherbengericht.
"Was willst Du
Mit der Schmähung, sprich!"

Den Wicht ergreift nun Wahn,
Er rollt seine Augen,
Er spuckt große Töne,
Vergießt eine Träne,
Zerbeißt seine Zähne -
Und schließlich
Verteidigt er sich:

"Kaum saßen wir alle beisammen,
Da wollte man mich schon verdammen.
Doch ich bin nicht dumm,
Ich kehr' den Spieß um,
Und werd' ihn mir selbst ins Herz rammen!

(Amen)

Von Selbstiro nie was gehört, (Pah!)
Schau'n alle auf mich ganz verstört: (Tja...)
Mein Körper zerfetzt,
Doch ich lach' zuletzt
Am Besten. Punkt. Das wär' geklärt!" (Ha!)
Die Schergen verstanden kein Wort.
Und Spaß schon zweimal nicht.
Pech für den Wicht.
Hier kurz der Prozess
Und die Folgen:

Polemiker giften mit Gallen,
Verhöhnen den Held samt Vasallen.
Und Zack!, fällt das Beil.
(Der hintere Teil
Wird Akad ganz sicher gefallen)

 

V.

"Extrablatt! Extrablatt!
Kommt und hört alle!
Extrablatt!
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Der tragische Tod unsres Helden!
Extrablatt!
Während der Rest der Nation
Seelenruhig in seinen Betten schlief,
Waren wir schon
als erste vor Ort.
Schreckliches müssen wir melden!
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- Auch sie eine Ausgabe?
Bitte sehr, Danke sehr,
Schön' Tag noch, der Herr!"

Ich kam. Ich las. Ich weinte:

"Der Wikinger Lyrik, der Große
- Ergab eine Arzt-Diagnose -
Verschied viel zu früh
An Pol'-Allergie."

Es blühen am Grab Herbstzeitlose.

 

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Carsten Schmidt
c.s.
Christian Ey

 

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