Alle hat das Reisefieber

 

Alle hat das Reisefieber
Gepackt - die Koffer sind es auch;
Für zwei Wochen geht es rüber
In den Süden, das ist Brauch.

 

Nur schnell aus dieser Stadt heraus:
Beengend sind die Gassen,
Doch kaum hat man sein Haus verlassen,
Gerät man in die ersten Staus.

 

Die Sonne brennt aufs Autodach,
Das Kind, die Autos - ein Getöse!
Die Mutter wird nervös, der Vater ernstlich böse,
Es bahnt sich an ein erster Krach.

 

Da hilft kein Hupen und kein Fluchen:
Was mußte man so früh auch buchen!
Jedoch, man konnte - wie die meisten -
Sich ja auch nichts Bess'res leisten.

 

Anstatt nun auf 'nem Straßenfest
Zu tanzen und zu feiern,
Sitzt man auf einer Straße fest
Noch irgendwo in Bayern.

 

Endlich ist man angelangt!
Die Fahrt, sie war ein Grauen.
Als Ausgleich nun Nacktbadestrand,
Das Fleisch von ander'n zu beschauen.

 

Ungehemmt und ohne Hose -
Es grenzt schon fast ans Bodenlose! -
Liegen sie im heißen Sand;
So mancher kriegt 'nen Sonnenbrand.

 

Gerade will man sich erholen
Von der langen Autofahrt,
Doch da wird das Geld gestohlen -
Dafür hat man lang gespart!

 

Und auch wer kommt des Landes wegen,
Hat die Fahrt umsonst gemacht:
Überall, wo man zugegen,
Wird nur noch deutsch gelacht, gedacht.

 

So manchen, der zurückgekehrt,
Ermüdet von all den Tagen,
Den möchte ich gerne 'mal fragen:
- War es das wert?

 

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Carsten Schmidt
c.s. 05/19/92
Christian Ey

 

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